Meine Oma hat mich nie losgelassen — was mir Ahnenarbeit über Generationen von Schweigen beigebracht hat

von Kiko Moon | Hexakademie
Es gibt Dinge die man erst versteht wenn man aufhört sie mit dem Verstand zu betrachten.
Jahrelang hatte ich ein Muster das mich verfolgte. Ich war schlank, trieb Sport, ernährte mich gesund — das war mein Leben. Aber sobald ein Mann in mein Leben trat nahm ich zu. Immer. Ohne erklärlichen Grund. Ich aß nicht mehr, bewegte mich nicht weniger — und trotzdem veränderte sich mein Körper jedes Mal auf dieselbe Art.
Ich dachte es liegt am Verliebtsein. Am gemeinsamen Kochen, an Restaurantbesuchen, an der Entspannung die eine neue Beziehung mit sich bringt.
Bis ich merkte dass es sich zu exakt wiederholte. Zu vorhersehbar. Als würde jemand einen Schalter umlegen.
Die Oma die nicht gegangen war
Ich bin größtenteils bei meiner Oma aufgewachsen. Mein Vater wurde krank als ich acht Jahre alt war — acht Jahre lang kämpfte er gegen den Krebs, acht Jahre lang waren meine Eltern damit beschäftigt zu überleben. Also war ich bei ihr.
Dann starb mein Vater. Und kurz danach meine Oma.
Ich habe nicht geweint. Nicht wirklich. Nicht um sie.
Das fiel mir erst Jahre später auf — in einem ruhigen Moment wo ich mich fragte warum. Und dann verstand ich es.
Es fühlte sich nicht so an als wäre sie gegangen. Es fühlte sich an als wäre sie geblieben.
Und sie war geblieben. Mit einer Kraft und Entschlossenheit die mich noch heute bewegt wenn ich daran denke. Sie hatte ihre Aufgabe nicht aufgegeben. Sie wusste was ich erlebt hatte. Sie konnte einfach nicht loslassen.
Was sie mir erzählte
Als ich den Kontakt zu ihr aufnahm — bewusst, schamanisch, in einer Reise — begann sie zu sprechen.
Und was sie mir erzählte veränderte alles.
Die Frauen in unserer Linie — fast alle — waren missbraucht worden. Misshandelt. Kriegszeit, Übergriffe, Gewalt die nie ausgesprochen wurde weil man nicht darüber sprach. Weil man funktionierte. Weil man überlebte.
Und diese Frauen hatten einen Weg gefunden sich zu schützen. Den einzigen der ihnen zur Verfügung stand.
Sie fraßen sich fett.
So gut man das in dieser Zeit konnte. Das Fett war ihre Schutzschicht. Es machte sie unsichtbarer. Weniger begehrenswert. Weniger angreifbar. Auf verschiedenen Ebenen hatte es für sie funktioniert — und ihr Körper hatte das als Wahrheit abgespeichert.
Diese Wahrheit hatte meine Oma mir vererbt. Nicht in Worten. In einem Muster das tief in meinem Energiefeld saß — so tief dass es sich aktivierte sobald ein Mann Nähe brachte.
Mein Körper schützte mich. So wie er es gelernt hatte. Aus einer Zeit die nicht meine war.
Was dann passierte
Als ich das verstand — wirklich verstand, nicht nur intellektuell — konnte ich auf dieses Muster von einer völlig anderen Ebene aus schauen. Nicht mit Scham. Nicht mit Kampf. Sondern mit Verständnis.
Ich habe mir an dieser Stelle Hilfe geholt. Das sage ich bewusst — weil Ahnenarbeit manchmal Dinge berührt die man nicht alleine tragen sollte. Und weil es keine Schwäche ist zu sagen: hier brauche ich Begleitung.
Durch diese Erfahrung habe ich so viel gelernt. Über meine Linie. Über die Frauen die vor mir waren. Über das was sie trugen und was sie mir — ohne es zu wissen — mitgegeben haben.
Der Abschied der kein Ende war
Meine Oma blieb lange. Sie hing fest — weil sie ihre Aufgabe nicht loslassen konnte, weil sie wusste dass ich schlimmes erlebt hatte, weil ihre Liebe stärker war als der Tod.
Erst als ich erkannte was sie mir zeigen wollte — erst als ich wirklich hingeschaut hatte — konnte sie loslassen.
Und dann kam die Trauer. Nach all den Jahren.
Aber es war eine andere Trauer als ich erwartet hatte. Keine Trauer des Verlustes. Eine Trauer in Verbundenheit. In tiefer Dankbarkeit. Mit dem Wissen dass die Seele niemals vergeht — dass wir uns immer verbinden können, auch wenn jemand die Form gewechselt hat.
Meine Oma ist nicht weg. Sie ist frei.
Und ich trage sie anders jetzt — nicht als Last, nicht als Muster das mich steuert, sondern als Kraft die hinter mir steht.
Was das für dich bedeutet
Vielleicht hast du auch ein Muster das sich nicht erklären lässt. Eine Reaktion die zu stark ist für den Anlass. Ein Gefühl das nicht ganz deins ist.
Vielleicht ist da jemand der noch nicht losgelassen hat. Nicht aus Böswilligkeit. Aus Liebe. Aus ungelöster Aufgabe.
Es lohnt sich hinzuschauen.
Nicht mit Angst. Mit der Neugier von jemandem der weiß dass hinter dem was sichtbar ist noch eine ganze Welt wartet.
Mein Name ist Kiko Moon. Ein außergewöhnlicher Lebensweg hat mich zur Magie, zum Schamanismus und zur TCM geführt — und hält mich dort seit über 25 Jahren. Lange Zeit habe ich schamanische Zeremonien geleitet und begleitet. Heute ist es mein Ziel die schamanischen und magischen Kräfte zurück in die Menschheit zu bringen — und Menschen zu befähigen in ihre eigene Selbstwirksamkeit zu kommen.
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